Ich lerne einen iMac kennen - 02 Der Kauf

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Ich kaufe gern altmodisch ein. Ich gehe gern in einen Laden, lasse mich beraten, schwatze mit dem Verkäufer, bezahle sofort und nehme die Ware mit, ohne mich mit Lieferdiensten rumzuärgern. Falls es mal Probleme geben sollte, habe ich dann einen Ansprechpartner, der bei Reparatur oder Umtausch weiterhilft oder einen Tipp geben kann. Außerdem hat der Verkäufer Umsatz und die Steuern bleiben auch in der Gegend.

Neumodisch aber auch meiner Sehbehinderung geschuldet ist an meinen Einkäufen, dass ich vorher intensiv im Internet nach den Produkten suche, Leistungsbeschreibungen vergleiche und ziemlich genau weiß, was ich will. Das ist meist etwas teurer als beim Einkauf im Internet. Dafür habe ich einen Menschen vor mir und keinen verbugten Internetdienst oder eine Warteschleife, die mich erst endlos warten lässt und am Ende meist keine Lösung bietet.

Genau diesen Weg wollte ich beim Kauf meines ersten Apple auch gehen. Ich wollte keinen anonymen Kauf im Apple-Online-Store. Als Verkäufer habe ich mir den einzigen Laden in der Hallenser Innenstadt rausgesucht, der ausschließlich Apple-Produkte vertreibt. Das ist ein sogenannten Apple Premium Reseller der auch Apple Autorisierter Service Provider ist, falls es nach dem Kauf was zu reparieren geben sollte.

Ich habe mir im Apple-Online-Store eine Liste geschrieben, wie mein Apple konfiguriert sein sollte: eine Standardkonfiguration mit etwas mehr Speicher und für die Familie Hard- und Software zur Bildbearbeitung, aber keine Extrawünsche, die ich im Apple-Online-Store nicht selbst hätte zusammenklicken können.

Die Liste habe ich im Laden vorgelegt. Die Verkäuferin war ziemlich erstaunt, dass ich das Gerät im Laden kaufen wollte. In ihrem Bestellsystem hatte sie ziemlich Mühe, die Konfiguration zusammenzustellen, obwohl ich nur Standardkomponenten kaufen wollte. Meinen Hinweis, dass die Konfiguration möglich sein sollte, weil der Apple-Online-Store das doch anbiete, konterte sie mit dem Hinweis, dass der Laden nicht Apple sei. Zwischendurch hat sie sich Hilfe bei einem Kollegen und bei einem Vertriebsmitarbeiter holen müssen. Am Ende konnte sie eine Software nicht bestellen, aber sie hatte Trost: „Die können Sie sich ganz leicht im Apple Store selbst runterladen!“ und statt der vorgesehenen 2 x 8 GB Arbeitsspeicher hatte sie in der Konfiguration 1 x 8 GB und 2 x 4 GB Arbeitsspeicher vorgesehen. Technisch kann die Verwendung unterschiedlicher Speicherriegeln ein Problem sein, das sich beispielsweise in Abstürzen und Einfrieren äußert. Das die Verkäuferin unterschiedliche Speicherriegel kombiniert hat, habe ich aber erst zuhause gemerkt, als ich die dreiseitige kleingeschriebene Bestellung im Lesegerät Wort für Wort prüfen konnte. Eine Lieferung nach Hause konnte ich nicht vereinbaren. So haben wir ausgemacht, dass sie mir Anfang der nächsten Woche eine Mail schickt, wenn ich das Gerät abholen kann. Meine Seh- und Hörbehinderung hat sie – obwohl diese offensichtlich sind weil ich elektronische Lese- und Hörhilfen verwende und manche Punkte nachfragen musste, weil ich sie akustisch nicht verstanden oder mit der Lesehilfe in der großen Bestellliste nicht gleich gefunden habe – komplett ignoriert.

Eine Woche später hatte sich der Laden noch nicht gemeldet. Bei meinem Anruf wurde mir gesagt, dass ich den Apple abholen kann. Der Speicher wäre aber nicht eingebaut, weil ich dies selbst machen könnte und im Übrigen der Einbau erst nach der Bezahlung möglich wäre, weil die Versiegelung geöffnet werden müsste (was sich später als falsch herausgestellt hat, weil es eine nicht versiegelte Klappe für den Arbeitsspeicher gibt) und der Rechner dann nicht mehr neu sei. Als ich überrascht nachgefragt habe, ob es denn nach dem Speichereinbau keine Garantie mehr gäbe, habe ich keine Antwort erhalten. Immerhin hat sich die Verkäuferin bereit erklärt, die Speicherriegel einzubauen.

Im Laden waren die bestellten Teile zusammengestellt und die einzubauenden Speicherriegel lagen ohne Verpackung offen obenauf. Im weiteren Verlauf wurden sie tatsächlich eingebaut - und sie waren trotz der fehlenden Verpackung glücklicherweise nicht defekt. Erst zuhause habe ich festgestellt, dass nun 4 x 4 GB Arbeitsspeicher eingebaut wurden, was gut ist, weil die eingebauten Speicher jetzt baugleich sind und schlecht, weil ich das Gerät zukünftig nicht mehr aufrüsten kann.

Neben der bisher gezeigten schwachen Fachkompetenz war das Hauptproblem des Kaufs dann völlig überraschend die Bezahlung. Der Laden nimmt keine Kreditkarten sondern nur Bargeld oder EC-Karten. Das wurde aber weder auf der Bestellung noch im Laden deutlich sichtbar bekanntgegeben (z.B. an der Eingangstür oder an der Kasse) oder mündlich kommuniziert.
Das Problem: EC-Karten haben ein niedriges Limit für Einkäufe, das für den Kauf eines iMac oder eines MacBook im Regelfall nicht ausreicht. Auch andere Zahlwege die in anderen Geschäften mit hochpreisigen Waren gängig sind, wie Lastschrift, Kauf auf Rechnung oder Teilvorkasse sind in dem Geschäft nicht möglich. Das Hochsetzen des EC-Limits für Einkäufe muss bei den Banken in der Regel vorher schriftlich beantragt werden und hat nichts mit dem Limit für EC-Barauszahlungen (das man online einstellen kann) zu tun. Ich habe also eine knappe Stunde mitten im Laden gestanden und mit meiner Bank telefoniert, um mein Kartenlimit ausnahmsweise telefonisch einmalig hochsetzen zu lassen.

Fazit: Auch menschliche Verkäufer können hinsichtlich Fachkompetenz und Kommunikation verbugt sein. Wenn ich nicht vorher genau gewusst hätte, was ich brauche und ohne kundenorientierte Bank wäre der Kauf schiefgegangen. Den nächsten Apple kaufe ich in einem anderen Geschäft oder bei Apple online. Der Apple-Online-Store ist übersichtlich und mit Screenreadern gut bedienbar. Es gibt an vielen Stellen Erklärungen zu Fachbegriffen und den Rest kann man googeln.
 
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